Ein Stromschlag wird im Arbeitsalltag oft unterschätzt – besonders wenn der Betroffene scheinbar unverletzt davonkommt. Genau das macht Stromunfälle so tückisch: Die gefährlichste Folge, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern, ist von außen nicht sichtbar.
Warum Strom das Herz gefährdet
Wechselstrom ist für das menschliche Herz besonders kritisch. Durch häufige Polaritätswechsel ist die Gefahr von Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern bei Wechselstrom deutlich größer als bei Gleichstrom. Kammerflimmern ist dabei die häufigste gefährliche Herzrhythmusstörung nach einem Niederspannungsunfall.
Besonders tückisch: Diese Störung kann verzögert auftreten. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Kammerflimmern erst einen Tag nach dem Unfall auftrat – meist weil initial vorhandene EKG-Veränderungen übersehen oder gar kein 12-Kanal-EKG durchgeführt wurde.
Muss jeder Stromunfall 24 Stunden überwacht werden?
Hier herrscht in der Praxis oft Verunsicherung. Die klare fachliche Einordnung: Eine routinemäßige 24-stündige stationäre Überwachung ist nicht bei jedem Stromunfall notwendig. Entscheidend ist vielmehr die individuelle Situation.
Eine 24-stündige Überwachung mit Herzrhythmus-Monitoring wird empfohlen bei:
- Auffälligkeiten im EKG
- initialem Bewusstseinsverlust
- bestehenden Herzerkrankungen oder Schwangerschaft
- anhaltenden Beschwerden, Verbrennungen oder Sekundärunfällen
Bei Hochspannungsunfällen gilt dagegen: Eine stationäre Überwachung ist in jedem Fall unerlässlich, da hier zusätzlich mit thermischen Schäden zu rechnen ist, die sich oft erst verzögert zeigen.
Was im Betrieb nach einem Stromunfall zu tun ist
Die wichtigste Regel zuerst: Bei jedem Stromunfall muss zunächst der Stromfluss unterbrochen werden, bevor Erste Hilfe geleistet werden kann – etwa durch Ziehen des Steckers, Betätigen der Sicherung oder Abschalten des Geräts. Eigenschutz hat dabei oberste Priorität.
Danach gilt: Jeder Beschäftigte sollte nach einem elektrischen Stromschlag unverzüglich ärztlich untersucht werden – auch wenn auf den ersten Blick keine Verletzungen erkennbar sind. Ein 12-Kanal-EKG ist hierbei der Standard, um verzögert auftretende Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu erkennen.
Sollte es zu Kammerflimmern kommen, ist die Defibrillation die wirksamste Maßnahme – idealerweise mit einem automatisierten externen Defibrillator (AED), der frühzeitig im Betrieb eingesetzt werden kann.
Was das für Ihren Betrieb bedeutet
Stromunfälle gehören zu den Arbeitsunfällen, bei denen schnelles und richtiges Handeln über die gesundheitlichen Folgen entscheidet. Wichtig ist dabei: Auch ein vermeintlich glimpflich verlaufener Stromschlag gehört immer in ärztliche Abklärung – die Entscheidung über eine weitere Überwachung trifft dann der behandelnde Arzt anhand der konkreten Befunde.
Für Betriebe bedeutet das: Mitarbeiter müssen wissen, dass auch ein „harmloser“ Stromschlag kein Grund ist weiterzuarbeiten, sondern immer ärztlich abgeklärt werden muss. Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit von Erste-Hilfe-Ausrüstung und gegebenenfalls eines AED (Defibrillator) im Betrieb.
Haben Sie Fragen zur elektrischen Sicherheit in Ihrem Betrieb oder zur Ausstattung mit Erste-Hilfe-Material? Sprechen Sie uns an.
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